- Produkte und Konzepte


Startseite

E-Mail


 

 

 


Das SUNKRAFT "ENERGY FARMING" - Konzept

eröffnet neue Perspektiven für Entwicklungsländer und Industrienationen

 

1. AUSGANGSSITUATION

1.1 Ausgangssituation in den Entwicklungsländern

Viele Menschen in Entwicklungsländer sind nach wie vor von Elend, Hunger, mangelnder Bildung und schlechter Gesundheitsversorgung betroffen. Der Trend zur Abwanderung aus dem ländlichen Raum in das Umfeld der urbanen Zentren ist ungebrochen, was zur Bildung immer ausgedehnterer Elendsviertel (Slums, Favelas) führt, deren Bewohner versuchen, mit einfachen Dienstleistungen in der Stadt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

Abbildung 1: Kleinbäuerliche Landwirtschaft am Niger


Angesichts des weit verbreiteten Hungers ist dies zunächst überraschend, da es auf den ersten Blick naheliegender wäre, im ländlichen Umfeld wenigstens in bescheidenem Umfang Landwirtschaft zu betreiben. Bei genauerer Betrachtung stellt sich aber heraus, daß dies nicht einmal im Rahmen einer Subsistenzwirtschaft lohnt, da der Verkauf der ohnehin bescheidenen Überschüsse nicht genug einbringt, um die Kosten für Wohnung, Kleidung, Heizung, Bildung etc. zu tragen – die erzielbaren Lebensmittelpreise sind dafür einfach zu gering, das Konkurrenzangebot an agroindustriell erzeugten Produkten dagegen zu groß. Es ist daher interessanter, im urbane Raum schlecht bezahlte Dienstleistungen zu erbringen und billige Lebensmittel zuzukaufen, als diese fernab der urbanen Zentren selbst zu erzeugen.

 

Abbildung 2 (oben) : Regionaler Markt in Ghana

Abbildung 3 (unten): Supermarkt in Afrika

 

Angesichts dessen geht die häufig gemachte Annahme, die beschriebenen Kalamitäten der armen Bevölkerung gingen auf einen Mangel bzw. zu hohe Preise der Lebensmittel zurück, am Kern des Problems vorbei. Im Gegenteil - wenn die Lebensmittelpreise höher wären, würden sich kleinbäuerliche Existenzen im ländlichen Raum tragen. Durch das große Angebot billiger Lebensmittel sind kleine und mittlere Höfe dagegen nicht existenzfähig und große Flächen urbares Land werden deswegen nicht bewirtschaftet.

Der Grund für das beschriebene Elend ist also nicht der Mangel an billigen Nahrungsmittel, sondern der Mangel an Arbeitsplätzen mit gesichertem Einkommen.

 

 

 

1.2 Ausgangssituation in den Industrieländern

Der Großteil der Nahrungsmittel wird in den hochentwickelten Agrarindustrien der Industrienationen erzeugt. Produktionsbedingte, weltweite Nahrungsmittelknappheit ist seit Jahrzehnten nicht aufgetreten und Preissteigerungen werden eher durch Spekulationen an den Nahrungsmittelbörsen als durch Missernten verursacht.

Die weltweiten Agrarmärkte sind zudem durch eine starke Regulierung und Wettbewerbsferne geprägt. Nahrungsmittelimporte aus Entwicklungsländern lassen viele Industrienationen gar nicht zu, oder beschränken sie mit Kontingentierungen bzw. Strafzöllen, während sie ihre eigenen Überschüsse vielfach hoch subventioniert in Entwicklungsländer exportieren oder im Rahmen von „Nahrungsmittelhilfen“ sogar verschenken – meist mit verheerenden Folgen für die regionalen Märkte dort.

Mit den beschriebenen Schutzmechanismen wurde in der Vergangenheit die Nahrungsmittelproduktion der Industrienationen vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland geschützt und teilweise eine Nahrungsmittelautarkie sichergestellt, die gleichwohl von massiven Importen von Kalium, Phosphat und Erdöl abhängig war. Damit konnte ein Großteil der Nahrungsmittelnachfrage in diesen Ländern gedeckt werden, ohne dass es in den vergangenen Jahrzehnten zu ernsten, nicht behebbaren Engpässen gekommen wäre.



 

2. VERÄNDERTE SITUATION IN NEUERER ZEIT

2.1 Veränderte Situation in den Industrieländern

Von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt, werden gegenwärtig erhebliche und weit über die administrativen Bemühungen hinausgehende Anstrengungen unternommen, die moderne Industriegesellschaft von der einseitigen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und Rohstoffen zu lösen und nachwachsende Rohstoffquellen zu erschließen. Durch den nach wie vor vergleichsweise niedrigen Preis des Erdöls haben diese Bestrebungen allerdings noch nicht zu großen und offensichtlichen Veränderungen geführt. Allerdings setzen boomende Volkswirtschaften mit extrem hohem Energiebedarf, z.B. China, mittlerweile vermehrt Biomasse ein, vor allem Pflanzenöle, ergänzend zum Erdöl als DEM klassischen Energieträger. Aber auch in einer Reihe von älteren Industrienationen, wie D und den USA, haben politische Interventionen mittlerweile einen Markt für pflanzliche Energieträger geschaffen, z.B. durch Zumischquoten für Biodiesel und Bioethanol. Diese Quoten sind aber stark an den Mengen orientiert, die von den heimischen Landwirtschaften geliefert werden können und haben damit eher den Charakter einer Absatzgarantie für heimische Agrarprodukte, als dass sie einen ernsthafter Versuch darstellen, die Umstellung der Treibstoffversorgung auf regenerative Quellen zu unterstützen.

Durch einen ernsthaften Einsatz biogener Energieträger würde der Bedarf an Rohstoffen dagegen drastisch ansteigen, da die rund 30 Mio. Tonnen Dieselöl, die in D jährlich verbraucht werden, von heimischen Feldern auch nicht annähernd zu substituieren sind, selbst wenn zugunsten des Rapsanbaus auf die Nahrungsmittelproduktion weitgehend verzichtet wird. Wenn Mineralöltreibstoffe weitgehend oder gar völlig durch biogene Treibstoffe ersetzt werden sollen, muss also ein Großteil der dafür nötigen Rohstoffe importiert werden. Dies schadet dem Absatz der heimischen Agrarprodukte aber im Gegensatz zu den Nahrungsmittelimporten nicht, da die Nachfrage ohnehin nicht annähernd durch die einheimische Produktion gedeckt werden könnte. Daher besteht auch keine Notwendigkeit, den Import streng zu reglementieren, um Nachteile für die heimischen Produzenten zu vermeiden.

 

2.2 Veränderte Situation in den Entwicklungsländern

Um Hunger und Elend in den Entwicklungsländern abzustellen ist es für sich allein, wie dargestellt, wenig zielführend, einfach die Nahrungsmittelproduktion hochzufahren. Zwar ist dies vielfach möglich, aber um eine überlebensfähige Agrarwirtschaft zu etablieren, muss diese nach den Maßgaben der industriellen Nahrungsmittelerzeugung stattfinden, die gekennzeichnet ist durch große, zusammenhängende Flächen, einen hohen Mechanisierungsgrad und eine intensive Wirtschaftsweise mit dem Einsatz moderner Hochertragssorten, Pestizide und Düngemittel, was einen hohen Kapitalbedarf bedingt. Damit lassen sich zwar häufig erhebliche Mengen an Lebensmitteln schaffen, aber nur wenige Arbeitsplätze und damit nur wenige Menschen, die eine gesicherte wirtschaftliche Existenz haben und sich die erzeugten Feldfrüchte auch leisten können. Darum gehen die Produkte oft in den Export oder werden sogar zur „Marktbereinigung“ vernichtet, während die breite Masse der Bevölkerung weiter hungert.

Ein weiterer Aspekt ist, dass intensive Landwirtschaft in vielen Entwicklungsländern gar nicht sinnvoll ist, weil dafür zunächst Urwälder gerodet werden müssen, wo nach ein paar Jahren der Anbau wieder aufgegeben werden muss, weil die Böden für diese Art der Bewirtschaftung gar nicht geeignet sind und in kürzester Zeit regredieren und schließlich verwüsten. Die langfristigen Nachteile für die betreffenden Länder und die CO2-Bilanz der ganzen Welt liegen auf der Hand.

Abhilfe kann hier nur mit Entwicklungsbestrebungen geschaffen werden, die möglichst viele Menschen eine wirtschaftlich gesicherte Existenz verschafft, damit die Menschen in die Lage versetzt werden, sich Nahrungsmittel und Konsumgüter in ausreichender Menge zu kaufen. Die intensive Nahrungsmittelproduktion, das „Food Farming“, ist dazu aber aus den beschrieben Gründen kaum das geeignete Instrument. Geeignete Alternativen, z.B. eine eigenständige, konkurrenzfähige Industrieproduktion, die ausreichend Arbeitsplätze bereitstellt, ist kurzfristig kaum zu etablieren. Dies ist „Tigerstaaten“ wie z.B. Südkorea, Taiwan und China zwar gelungen, hat aber einen langen Zeitraum in Anspruch genommen und scheidet damit als kurzfristiges Instrument aus.



 

3. „ENERGY FARMING“ ALS INSTRUMENT GEGEN DIE VERELENDUNG

3.1 „Energy Farming“ schafft Existenzen

Im Gegensatz zum beschriebenen, hochindustrialisierten „Food Farming“ ist „Energy Farming“ immer noch durch einen hohen Anteil an Handarbeit gekennzeichnet, der in absehbarer Zeit auch nicht durch vollautomatisierte Systeme zu ersetzen sein wird. Dies gilt speziell, wenn Pflanzenöl mit holzigen, ausdauernden Pflanzen erzeugt wird, die von Hand abgeerntet werden müssen. Die Arbeit ist am ehesten mit der Wein- oder Teeproduktion vergleichbar, weist aber einen ungleich größeren potentiellen Absatzmarkt auf.

Die Produkte des „Energy Farming“, speziell Pflanzenöle, erzielen zumeist weit höhere Preise als Nahrungsmittel. Hier sei exemplarisch auf die Entwicklung der Rapsölpreise in den letzten 15 Jahren verwiesen. Dabei sind viele Ölpflanzen relativ anspruchslos und können problemlos auf Standorten minderer Güte zusätzlich zu Nahrungsmitteln angebaut werden. Viele Ölpflanzen sind zudem ausdauernde Gehölze, die nach der Ernte stehen bleiben und nicht jedes Jahr abgeerntet werden und im Folgejahr komplett neu wachsen müssen. Daher haben sie nur einen geringen Dünge- und Pflegebedarf, schützen den Boden das ganze Jahr über vor Austrocknung durch intensive Sonnenbestrahlung und Wind, sowie Abtrag durch Regen. Da hierfür keine teuren Maschinen, Saatgut, Düngemittel und Pestizide angeschafft werden müssen, fallen im Gegensatz zum „Food Farming“ nur geringe Kapitalkosten an. Dadurch kann „Energy Farming“ weit mehr Arbeitsplätze finanzieren als „Food Farming“.

 

Abbildung 4 (oben): Ricinus communis (Rizinus, Castor) - Beispiel einer wilden Ölpflanze

Abbildung 5 (unten): Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) - eine wilde Energiepflanze für die Biogasgewinnung

 

Die vorgeschlagene Erzeugung von Energiepflanzen steht dabei keineswegs im Widerspruch zur traditionelle Nahrungsmittelerzeugung von Familienverbänden auf kleinen und mittleren Höfen für den Eigenbedarf. Vielmehr ergänzt sich beides, da nach wie vor Nahrungsmittel für den Eigenbedarf, aber zusätzlich Energiepflanzen für den Abverkauf erzeugt werden können, wodurch Einnahmen für über die Ernährung hinausgehende Bedürfnisse generiert werden.

Dabei ist das „Energy Farming“ nicht auf sesshafte Ackerbaugesellschaften beschränkt, sondern steht grundsätzlich auch Nomaden offen. Da viele Ölpflanzen wild oder halbwild gedeihen, wie die Purgiernuß (Jatropha curcas, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Purgiernuss) oder der Wunderbaum (Ricinus communis, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Rizinus) und vielfach nur in der Regenzeit fruchten, können sie auch von wandernden Viehzüchtern gesammelt und quasi als „Zubrot“ verkauft werden. Diese Möglichkeit bietet sich selbstverständlich auch für Menschen ohne Viehbesitz an, die zusammen mit den Vieh-Eigentümern oder völlig eigenständig ziehen.

Wichtig ist bei dem Konzept noch, dass KEIN Grunderwerb beabsichtigt ist, etwa durch ausländische Kapitalgesellschaften, wie etwa bei Palmölplantagen üblich. Vielmehr ist beabsichtigt einen reinen Absatzmarkt für Energiepflanzen und -produkte zu schaffen, der die (Wieder-)Schaffung und den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen und Existenzen im ländlichen Raum von Entwicklungsländern möglich macht.


 

3.2 „Energy Farming“ schont die Umwelt

3.2.1 ... beim gemeinsamen Anbau mit Lebensmitteln durch seßhafte Ackerbauern

In den meisten Fällen ist „Energy Farming“ auch extensiv möglich, da es zusätzlich zu der traditionellen, nicht-intensiven Wirtschaftsweise durchgeführt werden kann, die auf kleinen und mittleren Höfen in Entwicklungsländern typischerweise betrieben wird. Dabei steht „Energy Farming“ nicht notwendigerweise im Widerspruch oder gar in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, da etliche Pflanzen, z.B. der Meerrettichbaum (Moringa oleifera, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Moringa_oleifera) sowohl Produkte für den menschlichen Genuß, als auch Pflanzenöl liefern. Damit steht das vorgestellte Konzept des „Energy Farming“ im Gegensatz zur bisher praktizierten, intensiven Erzeugung von Pflanzenölen, die aber bislang praktisch ausnahmslos durch den Anbau „klassischer“, meist einjähriger Ölpflanzen betrieben wird, die eigentlich Pflanzenöle für den menschlichen Genuss und Viehfutter liefern, wie Raps (Brassica napus, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Raps) und Soja (Glycine max, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Soja), aber auch die mehrjährige Ölpalme (Elaeis guineensis, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ölpalme). Die genannten Ölpflanzen sind jedoch alle sehr anspruchsvoll und werden üblicherweise intensiv angebaut.

Durch den traditionellen, nicht-intensiven Anbau werden die natürlichen Ressourcen geschont. Hier ist vor allem das Grundwasser zu nennen, das weniger als beim intensiven Landbau mit Düngemitteln und Pestiziden belastet wird und der Boden, der weniger durch schwere Maschinen verdichtet wird und besser bewachsen ist, was ihn, vor allem wenn ausdauernde Ölpflanzen gebaut werden, besser vor der Schädigung durch Sonne, Wind und schweren Regenfällen schützt.

 

Abbildung 6: Brachliegende Flächen sind massiver Erosion ausgesetzt


Da viele Ölpflanzen recht anspruchslos sind und auch als Pionierpflanzen auf Ruderalflächen, wie regredierte Regenwaldflächen angetroffen werden, wie z.B. der schon erwähnte Wunderbaum (Rizinus) oder die Cashew (Anacardium occidentale, http://de.wikipedia.org/wiki/Kaschu), können auch minderwertige Flächen genutzt und sogar regeneriert werden, um später anspruchsvollere Pflanzen darauf zu bauen.

 

3.2.2 ... bei nomadischen Viehhirten

Für die Ausbreitung der Wüsten ist vielfach die Zerstörung der Vegetation durch Überweidung verantwortlich. Dies ist bei der Viehzucht als einziger Grundlage für den Wohlstand auch kaum zu vermeiden. Wird mit der Abnahme nebenbei gesammelter Ölfrüchte, was korrekterweise eher als „Energy Collecting“ denn als „Energy Farming“ bezeichnet werden müsste, eine interessante Alternative bzw. Ergänzung zur Viehzucht geschaffen, haben die Viehzüchter einen Anreiz, die Zerstörung der Vegetation durch Überweidung zu vermeiden, weil damit eine interessante Einnahmequelle zerstört würde.

 

3.2.3 ... bei der Sanierung schadstoffbelasteter Böden („Phytoremediation“)

Ein Sonderfall des „Energy Farming“ ist die „Phytoremediation“, bei der Pflanzen auf verseuchten Böden angebaut werden, um diese zu entgiften. Ein bewährtes, aber auch aufwändiges und damit teures Verfahren. Diese Böden können z.B. Schwemmflächen um Minen sein, die mit Schwermetallen bzw. organischen Giftstoffen (Polyzyklen, Phenole) belastet sind und für die Lebensmittelproduktion nicht in Frage kommen. Gegen den Anbau von Energiepflanzen spricht hingegen nichts, da die Produkte weder zum menschlichen Verzehr, noch zum Verfüttern gedacht sind, sondern lediglich verbrannt werden. Die bei der Phytoremediation anfallenden Kosten können durch den Verkauf der auf diesen Flächen erzeugten Energiepflanzen aufgefangen werden.

 

3.2.4 ... durch „Carbon Farming“

Da viele Energiepflanzen ausdauernde Gehölze sind, kommt es beim Anbau zu einer Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre, solange die lebende Biomasse („Standing Crop“) der Ölpflanzen zunimmt, bis ein Sättigungswert erreicht wird. Das dabei gebundene CO2 wird auch nicht kurzfristig wieder freigesetzt, da nur die Ölfrüchte geerntet werden, die Pflanze selbst aber stehen bleibt. Quantitative Betrachtungen (z.B. Becker et al., Earth Syst. Dynam., 4, 237–251, 2013) gehen davon aus, das in jedem Hektar ausgewachsener Jatropha-Pflanzung 90 Tonnen Kohlenstoff organisch gebunden sind, was 330 Tonnen Kohlendioxid entspricht, das der Atmosphäre langfristig entnommen wird.

 

 

 

4. ERFORDERNISSE AN DIE LOGISTIK

Um die erzeugten „Energy Crops“ vermarkten zu können ist es zwingend erforderlich, diese zu Vermarktungs- und Transportzentren zu transportieren. Dies ist in vielen Entwicklungsländern problematisch, da der ländliche Raum oft nur sehr lückenhaft logistisch erschlossen ist. Die Markterschließung hängt daher kritisch von der Verfügbarkeit von Transportmöglichkeiten ab.

Im den äquatorialen Gebieten Westafrikas, wie Togo und Kamerun, wurden bereits Waldgebieten von chinesischen und südkoreanischen Konsortien mit einfachen Straßen erschlossen, entlang derer ein schwunghafter Handel mit Palmkernen in Gang gekommen ist, die bei der Gewinnung von Palmöl zum Kochen übrig bleiben, von der ansässigen Landbevölkerung praktisch nicht genutzt werden können, aber eine interessante Pflanzenölquelle darstellen. Diese Palmkerne werden von Kleinbauern in Säcken zur nächsten Straße transportiert und dort direkt von Lastwagenfahrern aufgekauft, welche die Straßen abfahren. Das Konzept hat sich bereits bewährt, hat aber verschiedene Nachteile: zum einen sind die nötigen Vorarbeiten mit dem Straßenbau, speziell im tropischen Umfeld, beträchtlich. Zum anderen dringen über diese Straßen auch Goldgräber und Holzfäller tief in naturnahe Wälder vor, die Krankheiten, Alkohol und andere Drogen einschleppen, die ortsansässige Bevölkerung teils mit Waffengewalt vertreiben und den Wald durch illegalen Holzeinschlag und Schürfen schwer schädigen. Darüberhinaus besteht natürlich stets die Gefahr, daß Lastwagen ausgeraubt werden, da der Palmkernhandel obligatorisch bar abgewickelt wird und die Fahrer daher erhebliche Barmittel mitführen müssen.

In logistisch gut versorgten Gegenden, zum Beispiel Südafrika, ist der ländliche Bereich bereits hinreichend gut erschlossen, dass „Energy Crops“ ohne weiteres angekauft, abtransportiert und zur Verschiffung angeliefert werden können. Hier müssen lediglich Handelsstrukturen zu den Abnehmern in den Industrieländern aufgebaut werden.


 


5. AUSBLICK

Das vorgestellte Konzept ist keinesfalls auf die Erzeugung von Energiepflanzen beschränkt, sondern kann auch auf andere nachwachsende Rohstoffe angewendet werden, da in den Industrienationen nicht nur ein großer Bedarf an Energieträgern wie Pflanzenöl besteht, sondern auch an anderen Rohstoffen, wie Fasern, Tenside, pharmazeutischen Rohstoffen und Spezialchemikalien, deren Bereitstellung ebenfalls irgendwann auf nachhaltige Quellen umgestellt werden muss.